Jegliche Zweifel am Status des Dollars als „sicherer Hafen“ in Zeiten geopolitischer Turbulenzen dürften mittlerweile ausgeräumt sein. Der Greenback setzte seine Rallye in der vergangenen Woche gegenüber allen wichtigen Weltwährungen fort. Europäische Währungen verzeichneten dabei die schlechteste Performance, da die Märkte über deren Abhängigkeit von Energieimporten sowie die Anfälligkeit gegenüber einem langwierigen Konflikt, steigenden Ölpreisen und Versorgungsengpässen besorgt sind. Während Risikoanlagen (Risk Assets) instabil wirken, sind US-Aktien lediglich auf das Niveau von vor drei Monaten zurückgefallen. Staatsanleihen unterperformen weltweit weiterhin, sodass die meisten Anleger in dieser Anlageklasse seit Jahresbeginn Verluste verbuchen mussten.
Die Märkte bleiben auf die Nachrichtenlage zum Iran-Krieg fixiert, doch in dieser Woche dürfte auch die Geldpolitik die Investoren in Atem halten. Wir erleben die seltene Konstellation dreier großer Zentralbanksitzungen innerhalb von weniger als 24 Stunden: Den Auftakt macht die Federal Reserve am Mittwochabend, gefolgt von der Bank of England und der EZB am Donnerstag. Der Markt ist sich einig, dass keine dieser Banken die Zinsen senken wird. Der Fokus liegt darauf, wie die Entscheidungsträger auf die Markterwartungen bezüglich Zinserhöhungen (BoE und EZB) reagieren und auf die Tatsache, dass Erwartungen für Zinssenkungen der Fed fast vollständig ausgepreist wurden.
EUR
Der Iran-Krieg und der Ölpreisschock haben zur stärksten Divergenz seit Jahren zwischen den Markterwartungen und den Prognosen der Ökonomen geführt. Trader preisen mittlerweile eine vollständige Zinserhöhung der EZB im Jahr 2026 ein, während kaum ein Stratege auch nur einen einzigen Schritt erwartet. Die Kommunikation der EZB am Donnerstag gilt als besonders heikel. Es wird erwartet, dass Präsidentin Lagarde klarstellt, welches Narrativ zutrifft und wie die Zentralbank auf einen erneuten Energiepreisschock bei gleichzeitig schwachem Wachstum und enttäuschenden deutschen Wirtschaftsdaten reagieren wird.
USD
Aufgrund der Flucht in Sicherheit (Flight-to-Safety) ignorierte der Dollar die schwachen US-Makrodaten der letzten zwei Wochen. Bemerkenswert ist, dass der Greenback seine Rallye fortsetzt, obwohl die Fed fast die einzige große Zentralbank ist, bei der der Markt eher mit sinkenden als mit steigenden Zinsen rechnet. Dies macht die Fed-Sitzung am Mittwoch ebenso kritisch wie die der anderen Zentralbanken. Die Märkte warten händeringend auf eine Orientierungshilfe (Guidance), wie die Währungshüter auf den Krieg und die Aussicht auf massiv steigende Energiekosten reagieren werden.
GBP
Das Pfund behauptet sich weiterhin besser als der Euro und fiel gegenüber dem Dollar seit Kriegsbeginn nur halb so stark wie die Gemeinschaftswährung. Dies spiegelt zweifellos wider, dass die britische Wirtschaft weniger stark von internationalen Energiepreisen abhängig ist als die Eurozone. Diese Woche ist für das Pfund besonders kritisch: Im Mittelpunkt steht die Sitzung der Bank of England am Donnerstag – insbesondere die Reaktion der MPC-Mitglieder auf potenziell drastisch steigende Energiepreise und die Annahme des Marktes, dass der Zinssenkungszyklus beendet ist. Wichtige Arbeitsmarktdaten werden der Sitzung vorausgehen.
CHF
Nachdem das Währungspaar EUR/CHF am vergangenen Montag ein weiteres Tief unter der Marke von 0,90 markiert hatte, stabilisierte es sich knapp über diesem Niveau. Der Franken blieb zuletzt hinter dem Dollar zurück und unterperformte im Vergleich zu anderen Leitwährungen – was angesichts der Tatsache, dass die Schweiz ein Netto-Energieimporteur ist, ein wenig überrascht. Dies könnte zum Teil auf den Kurswechsel der SNB (Schweizerische Nationalbank) zurückzuführen sein; die Bank signalisierte kürzlich eine erhöhte Bereitschaft, zu intervenieren, um die Aufwertung des Frankens zu bremsen.
In dieser Woche liegt das Hauptaugenmerk auf der SNB-Sitzung am Donnerstag. Während keine Zinsänderung erwartet wird, dürften die Signale zur Zinspolitik, die Einschätzungen zum Franken sowie die aktualisierten Inflationsprognosen die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich ziehen. Auch wenn es für gewagte Prognosen noch zu früh scheint, ist festzuhalten, dass der Markt eine Zinserhöhung durch die Zentralbank bis zum Jahresende bereits vollständig eingepreist hat.

