Fehlende makroökonomische Nachrichten in den USA und der Stillstand in den USA (Federal Government Shutdown) führt zu seltsamen Korrelationen an den Finanzmärkten.
Letzte Woche strömten Händler in traditionelle sichere Häfen wie Gold und den Schweizer Franken, doch Aktien hielten sich auf Rekordhochs. Derweil bewegten sich Anleihen und der Euro seitwärts und blieben im Allgemeinen gut innerhalb ihrer jüngsten Handelspannen. Interpretationen sind so noch schwieriger, es häufen sich leise Bedenken hinsichtlich der Kreditqualität in den USA nach einer Reihe von Zahlungsausfällen namhafter Unternehmen. Die Kredit-Spreads in absoluten Zahlen, liegen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Währungen in Schwellenmärkten zogen generell an, wenngleich die Bewegungen verhalten und schwer zu interpretieren waren.
Diese Woche erwarten uns in den USA einige Wirtschaftsdaten, der VPI-Inflationsbericht für September wird am Freitag veröffentlicht. Dieser wichtige Indikator wird von Ökonomen im Bereich von 3-4% erwartet, was weit über dem Ziel der Federal Reserve liegt und im offensichtlichen Widerspruch zur zunehmend dovischen Haltung der Zentralbank steht. Inflationszahlen für September werden am Mittwoch auch in Großbritannien veröffentlicht. Der Freitag verspricht, ein volatiler Tag zu werden: zusätzlich zum US-Inflationsbericht werden weltweit die PMI-Frühindikatoren zur Geschäftsaktivität für Oktober veröffentlicht.
EUR
Die französische Regierung schien letzte Woche eine parlamentarische Pause einzulegen, bzw. etwas an Zeit zu gewinnen. Die Erleichterung am Markt wurde schnell gedämpft, da dies auf Kosten der Aufgabe ihrer moderaten Rentenreformpläne geschah. Französische Staatsanleihen erhielten am Wochenende eine unerwartete Herabstufung der Kreditwürdigkeit, der frühe asiatische Handel deutet darauf hin, dass die Märkte dies weitgehend ignorieren. Nachdem kürzlich abgeschlossenen Lockerungszyklus, scheint die Aufgabe der EZB von hier aus einfacher zu sein als die der Bank of England oder der Federal Reserve. Die Aufwärtskorrektur der Kerninflation in der Eurozone in der letzten Woche ist jedoch eine Erinnerung daran, dass die Schwelle für zusätzliche Zinssenkungen weiterhin sehr hoch ist.
USD
Das Fehlen von Wirtschaftsdaten, verursacht durch den Stillstand der US-Regierung, zwingt den Markt dazu, andere Entwicklungen, wie die jüngsten Rückschläge im privaten US-Kreditmarkt, möglicherweise überzuinterpretieren. Bislang sehen wir in diesen Vorfällen keine systemischen Auswirkungen. Das makroökonomische Umfeld (geldpolitische Lockerung trotz hoher Inflation) sollte für Kredite günstig sein. Dennoch muss die Situation genau beobachtet werden und wir erwarten, dass die am Freitag verspätet veröffentlichten Inflationsdaten keine weiteren Fortschritte in Richtung des Fed-Ziels zeigen werden. Sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation dürfte im annualisierten Bereich von 3-4% liegen. Nichts davon wird die Fed wahrscheinlich davon abhalten, in jeder ihrer nächsten beiden Sitzungen zu lockern, insbesondere angesichts der durch das Fehlen neuer Arbeitsmarktdaten verursachten Unsicherheit.
GBP
Die Arbeitsmarktdaten in Großbritannien deuten weiterhin auf eine allmähliche Entspannung hin, mit wenig neuen Arbeitsplätzen, aber bisher auch keinen Anzeichen signifikanter Stellenstreichungen. Dies steht im Einklang mit der Botschaft der monatlichen BIP-Zahlen, die weiterhin zeigen, dass die Wirtschaft mit einem moderaten Tempo von etwa 1% wächst. Die Bank of England sieht sich zunehmend einem ähnlichen Dilemma wie die Federal Reserve gegenüber, ein schwacher Arbeitsmarktes mit Inflationszahlen, die immer noch deutlich über den Zielen liegen. Die Inflationsdaten dieser Woche sind entscheidend für die nächsten Schritte bei den Zinssätzen. Die Bank of England scheint wenig Neigung zu einem umfassenden Lockerungszyklus zu haben, solange die Inflation näher an 4% als am Ziel der Zentralbank von 2% liegt.
